Kultur, Kurven und Kameradschaft: eine Harley Reise durch den Nahen Osten

Von den Serpentinen in den Bergen des Oman bis zu den Sandstürmen in der Wüste Saudi-Arabiens – Greg und Ela Kedzior haben auf ihrer neunmonatigen Fahrt durch 15 Länder einen Nahen Osten kennengelernt, den nur wenige Motorradfahrer je zu sehen bekommen – reich an Kultur und Gastfreundschaft und in jeder Hinsicht unvergesslich

Erzählt von James Gill

Für viele Biker ist der Nahe Osten eine Region, die sie aus den Schlagzeilen oder Geschichtsbüchern kennen, aber nicht aus eigener Erfahrung. Für Greg und Ela allerdings, ein Harley fahrendes Paar aus dem Süden Polens, wurde dieses Gebiet die Bühne für eines der tiefgreifendsten Erlebnisse ihres Lebens. Sie tauschten europäische Autobahnen gegen Wüstenpisten, Gebirgspässe und die pulsierenden Gassen der Souks, und sie machten sich mit ihrer Pan America auf, um die Wahrheit hinter den vorgefassten Meinungen herauszufinden.

Innerhalb von neun Monaten sind sie 36.500 Kilometer gefahren und haben eine Gegend der Kontraste gefunden – futuristische Städte und antike Ruinen, Sandstürme und schneebedeckte Gipfel, wildes Campen unter dem Sternenhimmel der Wüste und herzliche Gastfreundschaft anderer Biker aus allen Ländern. Ihre Reise war mehr als eine Fahrt – sie war ein Eintauchen in eine Welt voller Kultur, Geschichte und menschlicher Kontakte, und sie hat bewiesen, dass der Nahe Osten den Motorradfahrern, die bereit sind, die Erkundung dieses Teils der Erde zu wagen, nicht nur Straßen zum Fahren, sondern auch Geschichten zum Erleben bietet.

Wir haben die beiden getroffen, als sie noch auf ihrer Expedition nach Osten unterwegs waren.

Was hat Euch dazu bewogen, den Nahen Osten zu erkunden?

Nachdem wir große Teile Europas, Nordamerikas und Südamerikas bereist hatten, war uns klar, dass es an der Zeit war, uns gen Osten zu wenden. Der Nahe Osten hatte uns schon immer mit seiner reichen Kultur, langen Geschichte und bemerkenswerten Vielfalt fasziniert. Aber wir hatten nie seine Hitze gespürt, seinen Gebetsruf gehört oder seine Wüsten unter unsere Räder genommen.

Wir planen unsere Touren immer in Abhängigkeit von Klima und Jahreszeiten, und der Winter 2024/2025 bot uns das perfekte Zeitfenster für unser Vorhaben. Für die erste Etappe der Expedition Ost. Der perfekte nächste Schritt. Eine Region mit alten Traditionen, abwechslungsreichen Landschaften und Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.

 Unsere Reise begann in Polen und führte uns durch die Ukraine, Rumänien, Moldawien, Bulgarien, die Türkei, den Irak, Syrien, den Libanon, Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Ägypten. Es war eine intensive, transformative Reise voller unerwarteter Herausforderungen, unglaublicher Landschaften und unvergesslicher menschlicher Verbindungen.

Wie zugänglich ist die Region für Motorrad-Fernreisende in Bezug auf Tankstopps, Unterkünfte und die allgemeine Infrastruktur?

Der Nahe Osten bietet gute Voraussetzungen für Langstreckenreisen mit dem Motorrad. Benzin ist so preiswert wie nirgends sonst auf der Welt, es gibt zahlreiche Tankstellen, und der Kraftstoff ist von ausgezeichneter Qualität. Die Unterkünfte sind vielfältig und reichen von günstigen Pensionen und Campingplätzen bis hin zu High-End-Hotels.

Die Sicherheit ist insbesondere in den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Katar außergewöhnlich hoch – man kann sein Bike und andere Wertsachen unbeaufsichtigt lassen, ohne sich irgendwelche Sorgen machen zu müssen.

Wir haben uns bei der Ausarbeitung unsere Route bemüht, extreme Hitze zu vermeiden, und sind erst im November in den Irak eingereist, als die Temperaturen schon erträglicher waren. Die Straßen sind allgemein in gutem Zustand – oft besser als erwartet – und bieten weit mehr als nur Wüstenstrecken. Es gibt auch zahlreiche Bergpässe und kurvenreiche Küstenstraßen.

Mit welchen Herausforderungen wurdet Ihr konfrontiert?

Eine der anspruchsvollsten Strecken auf dieser Reise war die Fahrt von Riad nach Nadschran in Saudi-Arabien – mehr als 300 km durch einen ausgewachsenen Sandsturm. Es war das erste Mal, dass ich unter solch extremen Bedingungen gefahren bin, und es war sowohl körperlich als auch mental sehr anstrengend.

Es war eine unglaublich harte Etappe, aber auch eine, die uns daran erinnert hat, wie unberechenbar und wild die Elemente sein können und wie wichtig Vorbereitung und Durchhaltevermögen auf einer Reise wie dieser sind.

Wie schlägt sich die Pan America?

Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Pan America das beste Harley-Davidson® Modell für eine solche Reise ist. Die Fähigkeiten, die diese Maschine bietet – sowohl auf der Straße als auch im Gelände – sind im Vergleich zu den anderen H-D® Modellen einfach unübertroffen. Sie hat bewiesen, dass sie nicht nur robust, sondern auch unglaublich vielseitig ist, und wir sind immer wieder beeindruckt, wie gut sie funktioniert, egal in welchem Gelände.

Habt Ihr irgendwelche Änderungen oder Anpassungen vorgenommen?

Wir fahren eine Pan America Special von 2022, die so gut wie serienmäßig ist –  abgesehen von einer härteren Feder für das hintere Federbein wegen des hohen Gewichts von zwei Personen und unserer gesamten Ausrüstung. Um die Maschine für den extremen Einsatz vorzubereiten, haben wir ihr ein paar wichtige Extras spendiert, die das Leben auf der Straße einfacher und sicherer machen: einen zweiten Luftfilter für staubige Pisten, verlängerte Schutzbleche für Fahrten bei Regen und im Schlamm, Zusatzscheinwerfer, Benzinkanister für lange Strecken ohne Tankstellen, ein komfortableres Setup für den Beifahrer und Schutzvorrichtungen für den Motor, den Kühler und andere wichtige Bauteile. 

Diese Extras mögen unbedeutend erscheinen, aber sie machen einen großen Unterschied aus in Bezug auf den Komfort, die Sicherheit und die Fähigkeit der Maschine, alle Herausforderungen zu bewältigen, mit denen wir auf der Reise konfrontiert wurden.

Gab es Vorkommnisse, die Euch überrascht haben oder die Euren Erwartungen zuwidergelaufen sind?

Jede Menge! Die kulturelle Vielfalt im Nahen Osten ist so groß und unterscheidet sich so sehr von dem, was wir in Europa kennen, dass es schwer ist, nur ein paar davon zu benennen.

Eine der eindrucksvollsten Erfahrungen war der Besuch der Altstadt von Mossul im Irak, bei dem man durch die Überreste eines geschichtsträchtigen Ortes läuft, der heute von der Zerstörung schwer gezeichnet ist.

Am anderen Ende des Spektrums sah Ägypten für uns aus dem Sattel eines Motorrads gesehen völlig anders aus, als wir es Jahre zuvor während eines Resort-Urlaubs erlebt hatten. Das Land mit dem Motorrad zu durchfahren verschaffte uns eine ganz andere, authentischere Perspektive.

Überrascht waren wir auch vom ultramodernen Gesicht der Region: Orte wie Doha, Katar, Dubai und die Vereinten Arabischen Emirate mit ihren futuristischen Skylines und ihrem kosmopolitischen Flair fühlten sich im Vergleich zu den antiken Ruinen, die wir gerade hinter uns gelassen hatten, wie ein anderer Planet an.

Und dann war da noch Petra in Jordanien, das ohne Zweifel eines der atemberaubendsten Weltwunder ist, das wir bisher gesehen haben. Es ist ein Ort, der Deine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern Dich völlig umhaut.

Habt Ihr unterwegs auch andere Motorradfahrer oder Bike-Communities getroffen?

Von dem Moment an, als wir in die Türkei eingefahren waren, bis hin zu den Ländern der Arabischen Halbinsel haben wir unterwegs immer wieder andere Fahrer und lokale Bike-Communities getroffen. In jedem Land, in dem es Harley-Davidson Vertragshändler gibt, hatten wir das Vergnügen, mit H.O.G.® Mitgliedern in Kontakt zu treten und sie oft auch auf Ausfahrten und zu Veranstaltungen zu begleiten.

Welche Reiseziele sollte man Eurer Meinung nach als Motorradfahrer unbedingt besuchen?

Wenn wir über puren Fahrspaß und landschaftlich reizvolle Straßen sprechen, kommen uns sofort ein paar Ziele in den Sinn.

Der Oman ist ein absolutes Juwel – mit seinen kurvigen Bergstraßen, dramatischen Landschaften und dem geringen Verkehr ist das Land ein Traum für jeden Motorradfahrer. Auch die westliche Bergregion Saudi-Arabiens bietet vor allem rund um Orte wie Abha und Al Bahah spektakuläre Motorradstraßen mit vielen Kurven sowie zahlreichen Steigungen und Gefällen.

Jordanien ist ein weiteres fantastisches Land für Motorradfahrer, das eine lange Geschichte, atemberaubende Wüstenrouten und spektakuläre Berglandschaften zu bieten hat. Und dann ist da noch der Libanon – ein kleines Land, aber vollgepackt mit schönen, kurvigen Bergstraßen und atemberaubenden Ausblicken auf die Küste.

Könnt Ihr uns ein Erlebnis schildern, das Euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Einer der emotionalsten Momente für uns beide war die Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung im syrischen Aleppo. Wir wurden während der Feier wie Ehrengäste behandelt – als Repräsentanten der freien Welt. Einheimische erzählten uns, dass wir wahrscheinlich zu den ersten Motorradreisenden gehörten, die Syrien nach Jahren des Krieges besucht haben. Sie haben uns mit Schwalben verglichen, die die Ankunft des Frühlings ankündigen – ein Zeichen dafür, dass eine neue, bessere Zukunft bevorstehen könnte. 

Für uns war es zutiefst beschämend zu erkennen, dass unser einfacher Akt des Erscheinens für Menschen, die so viel ertragen mussten, ein so symbolisches Gewicht haben konnte. Ein weiterer herausragender Moment war am Ende unseres Aufenthalts in Bagdad im Irak, als unser Freund uns in eines der berühmtesten Restaurants der Stadt mitgenommen hat, das von einem bekannten lokalen Influencer betrieben wird. Das Essen war unglaublich, aber was es wirklich besonders machte, war, wie es sich in eine regelrechte Show verwandelte, bei der wir der Mittelpunkt des ganzen Abends waren! Die Energie, die Wärme… Es war unvergesslich.

Könntest Du einen Vergleich zu anderen Regionen ziehen, die Ihr bereist habt?

Dieser Teil der Welt hat uns mit einer faszinierenden Mischung von Kulturen, Werten und Lebensweisen konfrontiert, die sich stark von dem unterscheiden, was wir gewohnt sind. Für uns war es nicht nur eine Veränderung im geografische Sinne, sondern auch in kultureller Hinsicht. Eine, die unsere Perspektiven herausforderte und es uns ermöglichte, den Reichtum und die Komplexität einer Welt zu erleben, von der wir bis dahin nur gelesen hatten.

Wenn Su jemandem einen Ratschlag geben könntest, der eine ähnliche Reise durch den Nahen Osten plant, welcher wäre das?

Der wichtigste Rat, den wir geben können, ist, bei der Planung die Jahreszeiten zu berücksichtigen. Wer mit dem Gedanken spielt, durch die Arabische Halbinsel zu fahren, sollte dies in den Wintermonaten tun. Das richtige Timing der Reise kann den Unterschied in Bezug auf Sicherheit und Genuss ausmachen.

Greg und Ela sind derzeit unterwegs und setzen ihre Reise nach Osten fort. Man kann ihre Abenteuer täglich an Hand von Stories, Posts und Reels auf Instagram und Facebook verfolgen: Screw It. Let’s Ride!

Instagram: www.instagram.com/_screwitletsride.com_

Facebook: www.facebook.com/p/Screw-It-Lets-Ride-100055717486945

YouTube: www.youtube.com/channel/UCX68hTnouoaPQE7Wmn41KVA

Webseite: screwitletsride.com


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