Ein Rückblick auf 17 Jahre Harley-Davidson Museum
Ein Besuch des Harley-Davidson Museums™ ist ein Muss für jeden, der eine Reise in die Heimat der Motor Company plant. Nach 17 Jahren seines Bestehens werfen wir einen Blick zurück
Text: David Kreidler, Ausstellungskurator im Harley-Davidson Museum
Wenn es um die historische Sammlung von Harley-Davidson geht, ist ihre Geschichte – ironischerweise – ein kleines Rätsel. Um 1919 herum haben die Firmengründer verfügt, dass in jedem Jahr ein neues Motorrad aufbewahrt und eingelagert wird. Damit haben sie eine Tradition begründet, die noch heute gepflegt wird.
Aber die Sammlung besteht aus mehr als nur aus Motorrädern – sie umfasst auch Tausende von kleinen Artefakten und Aufzeichnungen. Wer hat die alle aufgehoben und warum? Darüber gibt es nur Theorien und Vermutungen. Es ist nicht bekannt, ob eine Person die bewusste Entscheidung getroffen hat, das Material für die Nachwelt zu erhalten, ob diese Entscheidung vielleicht von mehreren Menschen in verschiedenen Abteilungen getroffen worden ist, oder ob das Material nur einfach deshalb noch da ist, weil die Motor Company das alte Fabrikgebäude in der Juneau Avenue in Milwaukee nie verlassen hat.
Bekannt ist nur, dass es sich insgesamt um eine erstaunlich vollständige Sammlung handelt, die Einblicke in die Geschichte von Harley-Davidson von den Anfängen bis in die Gegenwart gibt.


Was auch immer ihre Ursprünge gewesen sein mögen, die Motorradsammlung war einmal eine Zeit lang zwischen der Zentrale in Milwaukee und der Fabrik in York in Pennsylvania aufgeteilt. Abgesehen davon, dass die in York untergebrachten Motorräder mehrere Jahre lang dort ausgestellt wurden, waren fast alle Artefakte – Motorräder, Kleinteile und Dokumente – hinter verschlossenen Türen verborgen. Anfangs haben nur wenige Harley Mitarbeiter die Kollektion jemals in vollem Umfang zu Gesicht bekommen.
Das änderte sich Mitte der 1990er Jahre, als das Archiv eingerichtet wurde und dazu das gesamte Material zusammengetragen und katalogisiert wurde. Man begann damit, die Informationen in der Sammlung den Mitarbeitern zugänglich zu machen, um sie bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Die Technik, das Marketing, die Juristen, die Lizenz- und Bekleidungsabteilung, einfach alle Abteilungen hatten bald einen besseren Zugang zu den Informationen und Materialien.
Ein paar Jahre später hat die Motor Company dann im Vorfeld zu den Feiern für ihren 100. Geburtstag damit begonnen, ernsthaft über die Einrichtung eines Museums nachzudenken. Aber ein Museum zu eröffnen, das mit einem Paradigma bricht, ist keine leichte Aufgabe. Die meisten Motorradsammlungen – egal wie fantastisch sie auch sein mögen – richten sich an Enthusiasten, denen man nicht erklären muss, wie großartig es beispielsweise ist, eine originale Harley-Davidson® EL von 1936 – auch bekannt als “Knucklehead” – mit 100 Kilometern auf dem Tacho vor sich zu haben. Für sie müssen wir ein solches Motorrad nicht in einen Kontext stellen, denn sie kennen sich aus.
Aber das ist nicht die Zielgruppe, für die Harley-Davidson das Museum bauen wollte. Die Motor Company wollte einen Ort für vielseitig interessierte Menschen schaffen – einen Ort, den alle gern besuchen würden und der sie mit der Geschichte von H-D vertraut macht. Als das ursprüngliche Kuratoren-Team die ersten Ausstellungen organisierte, hat es sich deshalb auf die Menschen von Harley-Davidson konzentriert. Motorräder wie die historische “Serial Number One” von 1903 sind in den Kontext ihrer Zeit gestellt worden.
Dann wählten die Kuratoren ungewöhnliche Geschichten aus der Harley Geschichte aus. Zum Beispiel die Tatsache, dass Harley-Davidson einst führend in der Golfwagen-Branche war. Und dass die Motor Company für ein paar Jahre ein Boot und ein Schneemobil gebaut hat. Für Besucher, die davon noch nichts gehört haben, bietet der Teil des Museums, in dem diese Kuriositäten ausgestellt sind, eine reizvolle und unvergessliche Überraschung.


Andere Exponate kamen durch Zufall ins Museum. Als im Jahr 2011 beispielsweise der Tsunami Japan traf, ist ein Container mit einer Harley-Davidson Night Train® aus dem Jahr 2004 ins Meer gespült worden. Er ist nicht versunken. Im Gegenteil, der Container ist von den Strömungen des Pazifischen Ozeans mitgerissen und an einem Strand in British Columbia angespült worden. Der Besitzer des Motorrads, der die Katastrophe überlebt hat, hat die Maschine dem Museum überlassen, das sie heute noch als Mahnmal im Gedenken an die Opfer des Tsunamis ausstellt.
Das Team des Museums veranstaltet auch gelegentlich Sonderausstellungen mit Leihgaben, die nur für eine Weile in die Obhut der Mitarbeiter kommen. Diese Ausstellungen, die nur für relativ kurze Zeit geöffnet sind, behandeln zum Beispiel spezifische Motorrad-Themen – wie im Jahr 2015 die Retrospektive über die Karriere von Willie G. Davidson. Mit zahlreichen Gegenständen aus der persönlichen Sammlung des legendären Designers und Managers verfolgte sie sein Leben von der Kindheit über das Aufwachsen rund um die Motor Company, als sein Vater William A. Davidson 1943 nach dem Tod von Walter Davidson Präsident des Unternehmens wurde, bis hin zu seinen ikonischen Designs und den Einflüssen, die ihn inspirierten.
Weitere Sonderausstellungen haben sich mit Themen beschäftigt, die das Motorradfahren mit der amerikanischen Kultur und Geschichte verbinden. 2014 thematisierte die Ausstellung The American Road die Ursprünge der Roadtrips und der Americana als Erscheinung im Straßenbild. Zu den Exponaten gehörte das über drei Meter hohe Neonschild eines Motels sowie ein “Hausauto” aus den 1930er Jahren – ein früher Vorfahre der heute allgegenwärtigen Wohnmobile.
Daredevils, eine Ausstellung im Jahr 2019, erzählte den Besuchern von den Ursprüngen todesmutiger Motorrad-Akrobatik. Zu den Exponaten gehörte unter anderem ein sehr altes und sehr großes Familienerbstück: ein vier Meter hoher eiserner Globe of Death. Die Stahlkugel war eine Leihgabe von Erwin Urias und seiner Familie, die von seinem Urgroßvater in den 1910er Jahren in Brasilien erbaut worden war und mit der Familie von Südamerika nach Nordamerika gereist ist.
Die Ausstellungen des Harley-Davidson Museums™ sind nicht immer dieselben, auch wenn es manchmal dauert, bis sich etwas verändert. Manchmal geht es aber auch blitzschnell. Es gab Fotoausstellungen, die die Tiefen der Sammlung des Archivs ausgelotet haben, und andere, die sich mit der Kustom Kulture befasst haben. Wieder andere beschäftigen sich damit, wie ein neues Motorradmodell entworfen, entwickelt und gebaut wird. Schließlich handelt es sich ja um das Harley-Davidson Museum. So lange, wie Ihr weitermacht, tun wir das auch. Ride on!






Schlagwörter:
Lies weitere Geschichten der Harley Owners Group!
Bereite Dich auf unsere Veranstaltungen im nächsten Jahr vor
Hast Du schon mit der Planung Deiner Reisen für 2026 begonnen? In ganz Europa gibt es zahlreiche Rallys, auf die Du Dich freuen kannst. Hier sind die Fakten…
Gewinne ein Insta360 X5 und ein Motorrad-Bundle
Wenn Du gerne Deine Ausfahrten filmst, gibt es nichts Besseres… Insta360 verschenkt drei Kameras.
Die Ergebnisse der Chapter Challenge 2025 liegen vor
Erfahrt, wer die Chapter Challenge 2025 gewonnen hat und warum Euer Chapter auch teilnehmen sollte.