Abenteuer Panamericana: Mit Harleys von Feuerland nach Alaska
Die H.O.G. Member Katharina Korda und Peter Diller lieben Abenteuer und Herausforderungen. Peter hat 2019 bereits bei seiner ersten Teilnahme das „ABCs of Touring“ haushoch gewonnen, und beide zusammen sind 2023 mit einem Riva Boot von Berlin bis nach Ithaka gefahren. Katharina erzählt vom jüngsten Abenteuer der beiden: das Bezwingen der legendären Carretera Panamericana. Katharina ist mit ihrer Sportster 883 Super Low gefahren, Peter mit seiner Electra Glide Ultra Classic
Unsere große Reise nimmt ihren Anfang im argentinischen Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Unser Ziel liegt am nördlichen Polarkreis und heißt Fairbanks.
Feuerland und Patagonien: Wind, Weite, Wildnis
Die Straßen Patagoniens sind endlos, die Landschaft karg und atemberaubend. Hunderte Guanakos grasen am Straßenrand, und Nandus – Südamerikas größte Laufvögel – kreuzen unseren Weg. Der ständig mit starker Intensität wehende Wind fordert höchste Konzentration beim Fahren, doch die Weite und Einsamkeit Patagoniens belohnen uns mit einem Gefühl von grenzenloser Freiheit.
In Puerto San Julian bestaunen wir einen Nachbau von Magellans Flaggschiff „Victoria“. Ein orkanartiger Sturm zwingt uns zu einer Fahrpause – Zeit für Schach, Bücher und argentinischen Rotwein.
Die Reise führt weiter ans Meer und nach Comodoro Rivadavia, wo wir eine lokale Köstlichkeit kennenlernen: gebratene Banane mit schwarzen Bohnen – wirklich sehr lecker!
In Puerto Madryn angekommen, gönnen wir unseren Harleys eine Pause und suchen Souvenirs für unser Chapter. Die Straßen werden besser, die Landschaft grüner, das Meer zeigt sich in leuchtendem Blau.



Durch die Pampa und über die Anden nach Chile
Die Pampa erwartet uns mit einer Überschwemmung: Bei Bahia Blanca stehen alle Felder unter Wasser, nur die Straße ist halbwegs trocken. Erneut verändert sich die Landschaft: Landwirtschaft, Maisfelder, Rinderherden und gelbe Blumen bestimmen das Bild. Die Straßen sind oft in schlechtem Zustand, mit viel Schlaglöchern und Schotter.
In Mendoza angekommen, warten die Anden auf uns. Die Fahrt durch die Berge ist spektakulär: rötliche Felsen, schneebedeckte Gipfel und eine kurvige Straße, die uns bis auf 3.182 Meter Höhe führt. Eine Ölspur auf der Straße bringt Peter kurz ins Schlingern, aber er fängt die Maschine ab – ein Schutzengel muss mitgefahren sein.
Die Grenzüberquerung von Argentinien nach Chile verläuft problemlos, und die letzten Kilometer nach Santiago de Chile hinein sind erstmals gänzlich frei von Schlaglöchern. Beim Harley Händler werden unsere Maschinen gewartet – der Empfang ist herzlich, und wir fühlen uns in der weltweiten Harley Familie sofort zuhause. Beim Abholen unserer Motorräder stellen wir erfreut fest, dass sie nicht nur gewartet, sondern auch blitzsauber geputzt sind.



Durch die Atacama und entlang der Pazifikküste nach Peru und Ecuador
Die Fahrt durch die Atacama-Wüste ist ein Erlebnis für sich: endlose Sand- und Steinlandschaften, Windhosen, einsame Dörfer. In Taltal, direkt am Pazifik, finden wir ein Künstlerhotel mit kunstvoll bemalten Wänden. Der Ozean rauscht, Delfine und Robben begleiten unseren Morgenkaffee.
Weiter geht es auf der Routa 1, vorbei an surrealen Landschaften, müden Eseln und verlassenen Industrieanlagen. In Mejillones überraschen uns Hochhäuser mitten in der Wüste – ein seltsamer Kontrast. Wir feiern Peters 66. Geburtstag mit Schachspielen und Harley Geschichten.
Die Fahrt entlang der Pazifikküste nach Iquique ist spektakulär: gewaltige Wellen, steile Klippen und immer wieder freundliche Begegnungen mit anderen Bikern.
Peru begrüßt uns mit Chaos auf den Straßen: eine Mautstelle nach der anderen, zahllose Polizei-Kontrollen, dichtes Verkehrsgewühl, endlose Lkw-Kolonnen. Dafür ist die peruanische Küste umso schöner mit ihren Kakteenfeldern und atemberaubenden Ausblicken auf den Ozean.
Die Straßenverhältnisse fordern Mensch und Maschine: Betonschwellen, Baustellen und Schlaglöcher setzen der Sportster zu – eine gebrochene Seitenständerfeder muss mit Gummi und Klebeband notdürftig repariert werden. Die größte Herausforderung ist die Hauptstadt Lima mit ihren 11 Millionen Einwohnern und ihren chaotischen Verhältnissen.
In Ecuador erreichen wir nach einer langen Grenzprozedur ein weitaus freundlicheres Umfeld: Wir fahren durch endlose Bananenplantagen, passieren gepflegte Ortschaften und sind begeistert von Verkaufsständen voll mit wunderbarem Obst und Gemüse. Doch auch hier warten Herausforderungen: Polizisten verlangen „Strafgebühren“, die nur mit Verhandlungsgeschick und Bargeld zu lösen sind. Wir umfahren die Hauptstadt Quito und überqueren den Äquator.



Von Kolumbien nach Panama per Flugzeug
Die Einreise nach Kolumbien verläuft nach stundenlangem Warten schließlich erfolgreich. Die Straßen führen durch bunte Künstlerdörfer, vorbei an exotischen Gewächsen und freundlichen Menschen. In Bogotá, auf 2.700 Metern Höhe, müssen wir uns wieder einmal durch dichten Verkehr und chaotische Straßenverhältnisse kämpfen.
Unsere Harleys werden für den Weitertransport nach Panama vorbereitet, weil die Panamericana hier immer noch eine Lücke aufweist, die mit Kraftfahrzeugen nicht zu überwinden ist: den Darien Gap. Der Transport entwickelt sich zum bürokratischen Kraftakt, der uns einen unfreiwilligen Ruhetag in Panama City beschert.
Panama City überrascht mit moderner Infrastruktur, Hochhäusern und einer freundlichen Harley Werkstatt. Während wir auf unsere Motorräder warten, erkunden wir die Stadt, spielen Schach und genießen karibische Nächte am Pazifik. Als die Maschinen endlich wieder startklar sind, führt uns der Weg über den berühmten Panamakanal und durch tropische Regengüsse bei brütender Hitze nach Costa Rica.



Durch Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala
Costa Rica begrüßt uns mit üppiger Natur, Palmenwäldern und freundlichen Menschen. Ecuador war schon schön, aber Costa Rica gefällt uns noch besser. Die Straßen sind meist gut, die Landschaft ein einziges Paradies, und es gibt Hotelzimmer mit allem Komfort – sogar mit einer Waschmaschine und Trockner, so dass wir unsere durchgeschwitzte Kleidung waschen können.
In Nicaragua warten wieder endlose Grenzformalitäten auf uns, doch die Straßen sind überraschend gut und die Begegnungen herzlich. Die Durchfahrt durch Honduras ist kurz, aber intensiv – geprägt von bewaffneten Polizisten, tropischer Hitze und dem ständigen Wechsel zwischen Asphalt und Schlaglöchern. In El Salvador fahren wir an beeindruckenden Vulkanen vorbei, Guatemala empfängt uns mit chaotischem Verkehr, Stromausfällen und bewaffneten Sicherheitsleuten. Doch auch hier finden wir Gastfreundschaft und ein gutes Hotel.
Mexiko: nur Pesos, Hilfsbereitschaft und schlechte Straßen
Die Einreise nach Mexiko ist überraschend unkompliziert – keine langen Kontrollen, keine Desinfektion, keine Wartezeiten, einfach weiterfahren. Doch die Straßen fordern uns erneut: Schlaglöcher, Betonschweller und Baustellen machen das Fahren zur Herausforderung. Wir sind ins Land eingefahren, ohne vorher Geld zu tauschen, weil wir es gewohnt sind, mit Dollars bezahlen zu können. Nicht so in Mexiko: Die Mautstellen und Tankstellen akzeptieren nur Pesos – da hilft keine Diskussion. Wir wollen auch niemanden verärgern. Vor allem im Süden begegnen uns immer wieder Pick-ups mit vermummten und bewaffneten Gestalten auf der Ladefläche, die Tankstellen werden von bewaffneten Securities bewacht. Andererseits erleben wir auch hier große Hilfsbereitschaft: Ein Enduro-Fahrer schenkt uns an der Zahlstelle das nötige Mautgeld, ein Mechaniker repariert die beschädigte Felge meiner Sportster mit einfachsten Mitteln.



Texas: Rückkehr in die Zivilisation
Nach einer langen Reise durch Süd- und Mittelamerika erreichen wir endlich die Grenze zu den USA. Ein Gefühl von Erleichterung und Vorfreude durchströmt uns, als wir nach einer geschmeidigen Grenzabfertigung Texas betreten. Die Straßen sind besser und breiter, die Hotelzimmer komfortabel, und zum ersten Mal seit Wochen genießen wir wieder den Luxus sauberer Handtücher und eines ausgiebigen Frühstücks. Wir schmieden Pläne: Unser großes Ziel ist Alaska, doch dort ist es jetzt noch bitterkalt. Also fahren wir langsam, gönnen uns Pausen und lassen die Seele baumeln.
Unser Weg führt uns über South Padre Island, wo wir das Meer genießen, und weiter nach San Antonio. Die Fahrt dorthin ist geprägt von texanischem Regen, endlosen Highways und der ersten Begegnung mit amerikanischen Wohnmobilen – ein Anblick, der uns nach den abenteuerlichen Straßen Mittelamerikas fast exotisch erscheint. In San Antonio schlendern wir am Riverwalk entlang, trinken texanisches Bier und lassen uns von der entspannten Atmosphäre treiben. Die Freundlichkeit der Amerikaner überrascht uns immer wieder: An der Tankstelle werden wir auf Deutsch begrüßt, im Restaurant schwärmt die Bedienung von Rothenburg ob der Tauber.



Der Wilde Westen: Elche, Bären und Cowboys
Doch auch kleinere Probleme lassen nicht lange auf sich warten: Unsere Harleys brauchen Pflege, und in Amarillo muss Peters Maschine wegen eines Felgenschadens in die Werkstatt. Die Wartezeit vertreiben wir uns mit Schachspielen, Shopping und Faulenzen.
Der Weg nach Norden führt uns durch endlose Prärien, vorbei an Ölpumpen, Rinderherden und kleinen Westernstädten. Die Berge werden höher, der Wind wird stärker, das Wetter launisch. In Wyoming tauchen wir ein in echtes Cowboy-Feeling: Westernarchitektur, Saloons, und überall Menschen mit Cowboyhüten. Wir genießen die Herzlichkeit der Einheimischen und die Schönheit der verschneiten Berge.
Der Versuch, den Yellowstone Nationalpark zu erreichen, scheitert an gesperrten Straßen – zu viel Schnee, zu früh im Jahr. Also drehen wir um, nicht ohne zuvor eine Büffelherde aus nächster Nähe zu bestaunen. Die Kälte nimmt zu, die Finger sind klamm, doch die Erlebnisse wärmen das Herz: Begegnungen mit Elchen, Bären und neugierigen Amerikanern, die uns an den Tankstellen willkommen heißen.



Kanada: Unser Ziel kommt näher
In Kanada wird die Wildnis spürbar. Die Straßen werden rauer, die Abstände zwischen den Ortschaften größer. Wir fahren durch verbrannte Wälder, sehen Wölfe und Grizzlys am Straßenrand und erleben, wie schnell das Wetter umschlagen kann: Sonne, Regen, Schnee und Hagel wechseln sich ab. Der Alaska Highway zieht sich endlos durch die Weite, doch jeder Kilometer bringt neue Eindrücke – von frostigen Nächten in kleinen Motels bis zu herzlichen Begegnungen mit anderen Reisenden.
Endlich, nach Wochen auf Achse, erreichen wir das legendäre Alaska-Schild. Herzklopfen, Stolz, Freude – wir haben es geschafft! Die letzten Kilometer bis Fairbanks sind ein Triumphzug durch die Wildnis. Wir begegnen alten Bekannten aus Südamerika, tauschen Geschichten aus und stoßen mit Alaska-Bier auf unser Abenteuer an.
Fazit: Die Panamericana – ein Abenteuer fürs Leben
23.483 Kilometer, 14 Länder, 17 Grenzübertritte – und zahllose unvergessliche Momente. Die Panamericana hat uns alles abverlangt: Geduld, Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, uns immer wieder auf Neues einzulassen. Unsere Reise war geprägt von zahllosen Begegnungen, Herausforderungen und Glücksmomenten. Ob Patagonien, Atacama, die Anden, die Weiten Mexikos oder die Rocky Mountains – jede Etappe brachte neue Erlebnisse, neue Freunde und neue Geschichten. Die Panamericana auf der Harley zu fahren ist mehr als eine Reise – es ist ein Abenteuer, das Körper, Geist und Seele fordert und belohnt. Und am Ende bleibt das Gefühl: Wir haben es geschafft. Und wir würden es jederzeit wieder tun.









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