Von Fjorden zur Freundschaft: unsere unvergessliche Motorradreise durch Norwegen
Im Juli 2024 haben fünf Member des Thames Valley Chapters eine einmalige Fahrt quer durch Norwegen gemacht
Text von Duncan Feakes
Einführung
“Der Donner unserer Motoren hallte durch die nebligen Fjorde, als wir die Atlantikstraße entlang fuhren. Steile Klippen überragten uns und tauchten unter uns in das eisblaue Wasser des Meeres.”
Im Juli 2024 sind Mohit und Payal Khanna, Andy Millar, Neil Robbins und ich zu einer traumhaften Motorradreise nach Norwegen aufgebrochen, in das Land der Fjorde, der Gletscher und der legendären Motorradstraßen. Der Hauptgrund der Reise war es, an der Norway National H.O.G.® Rally in Savalen teilzunehmen, aber wir wollten auf keinen Fall direkt zur Rally und zurück fahren – wir mussten die Gelegenheit nutzen, um zu sehen, was Norwegen zu bieten hat. Bei dieser Reise ging es jedoch nicht nur darum, Norwegen zu erkunden. Es ging darum, Grenzen zu überschreiten, die Freiheit der Straße zu genießen und Freundschaften zu vertiefen.
Planung und Vorbereitung
Die Idee für die Reise kam uns im Jahr zuvor, als ich auf Facebook über eine Anzeige für die Rally stolperte. “Wer hat Lust auf eine Reise nach Norwegen?” war meine simple Frage, und die Reaktionen waren unerwartet positiv. Wenn es bis zur geplanten Reise noch ein Jahr dauern wird, ist es natürlich leicht, sich über solche Dinge wie Entfernungen, Zeitaufwand und Kosten noch keine Gedanken zu machen.
Ich aber machte mich sofort daran, einen groben Machbarkeitsplan für die Reise mit Vorschlägen für Zwischenstopps, Hotels, Fähren und so weiter zu erstellen. Es war schnell klar, dass dies etwas war, auf das wir uns alle einlassen wollten, also machten wir uns an die Arbeit und diskutierten mögliche Routen, Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss, und Straßen, die man unbedingt fahren sollte. Wie sich wahrscheinlich jeder vorstellen kann, musste sich unser Plan eine ganze Reihe von Überarbeitungen gefallen lassen, bevor wir uns auf die endgültige Version geeinigt haben. Nachdem alle zugestimmt hatten, mussten wir nur noch die Reservierungen vornehmen und die Tage bis zur Abfahrt herunterzählen. Natürlich musste ich auch noch Janet, meiner leidgeprüften Frau, erklären, dass ich an unserem 40. Hochzeitstags unterwegs sein würde! Und das vor dem Hintergrund, dass ich Anfang des Jahres trotz ihres Geburtstags nach Frankreich gefahren war. Irgendwie habe ich es hingekriegt.


Die Reise beginnt
Sehr früh an einem Julimorgen haben sich drei Harley-Davidsons im britischen Ashford getroffen, bereit, mit Le Shuttle nach Frankreich zu fahren, um unser Abenteuer zu beginnen. Ja, das ist richtig – drei! Während der Planungsphase hatten Neil, Andy und ich voller Draufgängertum und Selbstüberschätzung entschieden, innerhalb nur eines Tages von Ashford zur deutsch-dänischen Grenze zu fahren. Die ach so vernünftigen Khannas hatten daraufhin beschlossen, ein paar Tage früher aufzubrechen und sich für die Hinfahrt etwas länger Zeit zu nehmen.
Am ersten Tag hatten wir über 900 km vor der Brust – Neil sogar noch mehr, weil er sich entschieden hatte, am Morgen von Reading aus loszufahren. Es war ein langer Tag, voller scheinbar endloser Autobahnkilometer und unvermeidlicher Staus. Jemand hatte uns gesagt, dass man sich in Deutschland im Stau nicht durchschlängeln sollte, also haben wir es nicht getan… zuerst! Nach zahllosen Kilometern im zähfließenden Verkehr haben wir alle Vorsicht über Bord geworfen und sind zwischen den Autoschlangen durch gefahren. Ganz anders als in England klappte das hervorragend. Der Verkehr schien eine Spur für uns zu öffnen, und wir glitten hindurch, etwas amüsiert über die zahlreichen Motorradfahrer, die geduldig warteten, sich dann aber auch hinter uns einreihten, um den Vorteil zu nutzen.
Nachdem wir vier Ländergrenzen überschritten hatten, kamen wir am frühen Abend in unserem Hotel südlich der dänischen Grenze an. Jeder, der schon einmal mit Andy gereist ist, wird nicht überrascht sein zu hören, dass Bessie ein “bisschen Liebe” braucht, also rollte Andy die Werkzeugrolle aus, während Neil und ich uns auf den Weg zum Pizzaessen machten.
Der zweite Tag bestand aus einer schnellen Fahrt durch Dänemark nach Hirtshals, um unsere Fähre nach Kristiansand in Norwegen zu erreichen, wo unsere Reise genau genommen erst richtig losgehen würde.


Höhepunkte der Reise
Lysevegen
Den Lysevegen in Richtung Lysebotn hinunterzufahren war eine unvergessliche Abfahrt in eine der atemberaubendsten Landschaften Norwegens. Die 29 km lange Strecke, die sich zum malerischen Lysefjord hinunter schlängelt, bietet nicht weniger als 27 aufregende Haarnadelkurven. Die Fahrt beginnt mit einem weiten Panoramablick auf die umliegenden Fjorde und Berge und geht allmählich in eine aufregende Reihe von engen Kurven und steilen Abfahrten über. Auf halbem Weg durchquert man einen dramatischen 1000 m langen Tunnel, der auch eine Haarnadelkurve bereit hält und sich wie der Eingang zum Versteck eines Bond-Bösewichts anfühlt. Der Tunnel öffnet sich schließlich zu atemberaubenden Ausblicken und der Straße, die in das charmante Dorf Lysebotn führt. Diese Fahrt ist eine technische Herausforderung mit einer unvergleichlichen Landschaft und gehört auf die Bucket-List jedes Motorradfahrers.
Am nächsten Tag, jetzt fünf Leute auf vier Bikes, durften wir diese unglaubliche Straße wieder hinauffahren. Der einzige Nachteil war, dass die Straße wegen eines Radrennens gesperrt werden sollte und wir deshalb deutlich früher als ursprünglich geplant aufbrechen mussten, aber die Aussicht im Morgenlicht hat uns belohnt. Wir fuhren entlang unglaublich schöner Fjorde, über die Hardangervidda bis auf über 1.600 m Höhe und an Gletschern voller blauem Eis vorbei. Dies sollte nicht das einzige Mal auf dieser Reise sein, dass wir mit offenen Mündern gestaunt haben.

Aussichtspunkt Stegastein
Als wir am Abend vor unserem Besuch des Stegasteins in unserem Hotel ankamen, stellten wir fest, dass offenbar das gesamte Hotelpersonal gekündigt und am Morgen das Hotel verlassen hatte! Es wurde uns sehr schnell klar, dass der Mann an der Rezeption noch nie zuvor an einer Rezeption gearbeitet hatte. Nach etwa zehn Minuten Verwirrung beschloss Mohit, uns zu verraten, dass er Norwegisch spricht, also überließen wir ihm die Verhandlungen. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass das Hotel-Restaurant nicht geöffnet war und es auch kein anderes Restaurant in der Nähe gibt. Sie boten uns jedoch freundlicherweise an, uns einen traditionellen norwegischen Eintopf zu kochen. Wir nahmen dankbar an, ohne mit dem Festmahl zu rechnen, das uns dann serviert wurde. Was für eine großartige Gastfreundschaft.
Also, auf nach Stegastein. Die Route dorthin liegt hoch über dem Aurlandsfjord, beginnt in dem charmanten Dorf Aurland und schlängelt sich auf einer schmalen, kurvenreichen Straße den Berghang hinauf. Während wir aufstiegen, eröffnete jede Kurve immer atemberaubendere Ausblicke auf den Fjord und die umliegenden Gipfel. Die Aussichtsplattform selbst ist ein Wunderwerk des modernen Designs – eine hölzerne Konstruktion, die 30 m aus dem Berghang hinausragt und einen Panoramablick auf den 650 m tiefer liegenden Fjord bietet.

Trollstigen
Ursprünglich hatten wir geplant, den Trollstigen zu bezwingen, den legendären “Trollpfad” mit seinen elf Haarnadelkurven und dramatischen Klippen. Kurz vor unserer Reise hatten wir jedoch erfahren, dass die Straße aufgrund eines kürzlich abgegangenen Erdrutsches gesperrt war.
Unbeirrt fuhren wir in die Talsohle zu unserem Schlafquartier. Wir konnten auch noch bis zum Anfang der Trollstigen fahren, um Fotos zu machen, mussten dann aber akzeptieren, dass mehr nicht möglich war. Ich denke, wir müssen einfach wiederkommen!

Die Atlantikstraße
Einer der berühmtesten Abschnitte unserer Reise, die Atlantikstraße, fühlte sich an wie eine Fahrt auf dem Wasser. Die Vorfreude hatte sich seit Monaten aufgebaut, und die Realität hat uns nicht enttäuscht.
Bei herrlichem Sonnenschein entfaltete sich die Straße vor uns in atemberaubender Pracht, ihre anmutigen Kurven und geschwungenen Brücken schienen über dem Meer zu schweben. Es war wenig Verkehr, und wir konnten das Erlebnis in vollen Zügen genießen. Wir hielten oft an, um die Aussicht zu genießen und um Fotos und Videos zu machen, die aber die Magie des Augenblicks kaum einfangen konnten.


Die Norway National H.O.G. Rally
Ein herausragender Moment unserer Reise war die Teilnahme an der Norway National H.O.G. Rally, die vom Trondheim Chapter organisiert wurde. Es waren Biker aus mehr als einem Dutzend Ländern vertreten, und die Veranstaltung war ein Fest der Kameradschaft und der gemeinsamen Leidenschaft für das Fahren von Harley-Davidsons. Es war uns eine Ehre, zusammen mit einer ähnlich großen Gruppe vom Rolling Hills Chapter, Großbritannien zu vertreten. Die Energie der Veranstaltung und die Möglichkeit, mit Bikern aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten, machte sie zu einem unvergesslichen Höhepunkt unserer Reise.
Motorradfahren in Norwegen
Norwegische Straßen sind ein Paradies für Motorradfahrer. Gut gebaut und gut gepflegt schlängeln sie sich durch atemberaubende Landschaften. Die oftmals engen Straßen und das unberechenbare Wetter erfordern jedoch trotzdem ständige Aufmerksamkeit. Wir sind auch oft auf Straßensperrungen und Bauarbeiten gestoßen, die die Fahrt um viele Stunden verlängern können. Glücklicherweise sind die Fähren, die die Fjorde überqueren, verlässlich, effizient und preiswert, und sie haben unserer Reise noch eine andere Dimension verliehen. Jede Herausforderung hat sich gelohnt, denn die Aussicht auf gletschergespeiste Flüsse, spiegelglatte Seen und endlose Wälder ist jede Anstrengung wert.
Es überrascht nicht, dass wir während unserer Reise auf viele, auf sehr, sehr viele Tunnel gestoßen sind – einige waren weniger als hundert Meter lang, andere waren länger, und einige warteten mit Serpentinen auf. Ein erwähnenswerter Tunnel ist der Lærdal-Tunnel, der 24,5 km lang ist und mittendrin einen Kreisverkehr hat – so etwas sieht man nicht alle Tage.
Abschluss
Wir haben in neun Tagen mehr als 5.500 km zurückgelegt und acht Länder durchquert. Es war eine Reise, die keiner von uns vergessen wird. Norwegen hat uns in Staunen versetzt – nicht nur von seinen Landschaften und den Menschen her, sondern auch von der Freude, die wir an der Reise selbst gefunden haben. Wenn Norwegen noch nicht auf Deiner Bucket-List steht, dann solltest Du das schnell ändern. Pack Deine Klamotten, schnapp Dir Deine Freunde und stürz Dich in das Abenteuer Deines Lebens. Das Land der Trolle, Fjorde, Gletscher und Tunnel wartet auf Dich, bereit, Dir den Atem zu rauben und Dich nach mehr sehnen zu lassen.









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